Geschichte
Erste Erwähnungen
Geltwil gehörte zum ältesten Klosterbesitz und schon 1324 war ein Chunrat von Geltwil Schultheiss von Bremgarten. Am 8. März 1378 starb ein Walther von Geltwil als Mönch und Custos von Muri. Aber auch in späteren Jahrhunderten lebten Geltwiler und Isenbergschwiler als Mönche im Kloster. Seit 1415, nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen, gehörte Geltwil zum Amt Muri. Vor der Eroberung des Aargaus waren die Rechte der Gemeinde Geltwil grösser. Immerhin versuchte Geltwil seinen Dorfbrief 1735 mit dem Abt von Muri zu bereinigen. Das Dorf hatte im grossen und ganzen nur wirtschaftliche Rechte: gemeinsame Bewirtschaftung der Allmend und Erstellung und Überwachung der Weidereglemente, später die Verwaltung der Dorfgerechtigkeiten. Es wohnten vor 1798 erstens die Gerechtigkeitsbesitzer, die durch Abstammung oder durch Kauf rechtlich zur Gemeinde gehörten und durch den Besitz eines nutzungsberechtigten Hauses an der Nutzung der Allmend und des Waldes anteilberechtigt waren. Eine zweite Klasse Einwohner waren die Gemeindebürger, ohne nutzungsberechtigte Häuser. Oft konnten diese nach Bezahlung eines Einzugsgeldes gewisser Nutzungen teilhaftig werden. Die dritte Klasse, die neuen Hintersassen, waren nur geduldet, hatten keinen Anspruch auf die Allmend und den Wald, und ein festes Verbleiben im Dorf war für sie ungewiss.
Brand in Isenbergschwil
Ein schwerer Schicksalsschlag erlebte Isenbergschwil am 20. März 1797, als alle sechs Wohnhäuser mit 14 Haushaltungen der Ortschaft abbrannten. Mit grösseren Gebäudeabständen schob man einer künftigen Brandgefahr einen Riegel. Mit der Aufhebung des Klosters Muri und der nach dem Sonderbundskrieg erfolgten Gründung des Bundesstaates von 1848 stellten sich für Geltwil neue, schwere Probleme. Der Staat hatte den Kreis Muri seiner natürlichen Hilfsquellen beraubt und die Güter des Klosters verkauft oder verschleudert. Der Lindenbergwald über Geltwil wurde Staatsdomäne, die schützende Hand des Klosters Muri fehlte.
Vereinigung von Geltwil und Isenbergschwil
Die 1816 erfolgte Vereinigung zwischen Geltwil und Isenbergschwil war wohl zunächst nur eine Vernunftsehe. Bereits 1824 beklagten sich die Isenbergschwiler, dass sie keine Vertretung im Gemeinderat hätten. Das Bezirksamt Muri aber bestimmte, gestützt auf einen Regierungsentscheid, dass nach der Vereinigung beide Teildörfer eine politische Einheit bilden und somit auch ein nur von Geltwil zusammengesetzter Gemeinderat funktionsfähig ist. Längst sind Geltwil und Isenbergschwil miteinander verschmolzen. Aber auch heute noch wird darauf geachtet, dass nach Möglichkeit beide Dorfteile vertreten sind.
Das Gefecht von Geltwil vom 12. November 1847
Im Rahmen des Sonderbundkrieges fand am 12. November 1847 in Geltwil ein Gefecht statt, bei welchem sich die Luzerner, Obwaldner, Walliser und Aargauer gegenüberstanden. Dieser Krieg zwischen Eidgenossen, der schliesslich den Weg zum Bundestaat der Verfassung von 1848 ebnete, ist ebenso wie seine Ursachen weitgehend in Vergessenheit geraten. In Erinnerung an den Sonderbundskrieg steht eines der wenigen erhaltenen Denkmäler in Geltwil. Ob die Freiämter den Tagsatzungstruppen für den Sieg über den Sonderbund wirklich so dankbar waren, wie es die Inschrift glauben machen will, ist fraglich.
In Geltwil gingen die Uhren 1942 anders
Vom Zeitalter der Industrialisierung verspürte Geltwil zunächst nichts. Der erste und zweite Weltkrieg brachten aber die Anbauschlachten, damit die gesamte Bevölkerung mit Lebensmitteln versorgt werden konnte. Geltwil musste 1939 völlig von Viehzucht auf Ackerbau umstellen. Als 1942 die Schweiz unter Druck der Achsenmächte die Sommerzeit einführen musste, weigerte sich das Dorf einstimmig, mitzumachen. So gab es in Geltwil neben der Schweizer Zeit auch die Geltwiler Zeit – ein Umstand, der in der Schweizer Presse als eigenwilliges Vorgehen belächelt wurde.
Quelle: aus der Schrift Geltwi-Isenbergschwil, verfasst von Eddy Schambron, Geltwil
Die Schrift Geltwil-Isenbergschwil kann im Online-Schalter bestellt werden.
Geltwil im Jahr 2008, als die erste homepage aufgeschaltet wurde
Auch heute wird Geltwil gerne etwas belächelt. Gerade in der jetztigen Zeit, wo der Regierungsrat des Kantons Aargau die Gemeinden mit grossen Reformprojekten eindeckt, wie etwa die Gemeindereform (GeRAG), das Bildungskleeblatt oder die Revision des Baugesetzes (BauG) etc., wird die Daseinsberechtigung von Kleinstgemeinden wie Geltwil in Frage gestellt. Der Gemeinderat Geltwil hat in seinen Zielsetzungen bis ins Jahr 2010 als höchste Priorität die Bewahrung der Eigenständigkeit der Gemeinde und die Erhaltung der Schule Geltwil formuliert. Mit allen Mitteln setzen wir uns dafür ein und kämpfen für unser kleines Dorf nach dem Motto "E Gemeind mit Läbä"!
geltwil im Jahr 2021
Es hat sich einiges getan in Geltwil. Die Daseinsberechtigung der Gemeinde wird aktuell nicht in Frage gestellt mit dem aktuell tiefsten Steuerfuss im Kanton Aargau. Im Jahr 2017 musste die Primarschule Geltwil aufgrund zu geringer Schülerzahlen aufgehoben werden. Alle schulpflichtigen Kinder besuchen nun den Kindergarten und die Primarschule in Buttwil und die Oberstufe in Muri. Mit der Erschliessung des Baugebietes Schürrain III hat sich das Dorfbild am Hang verändert und die Bevölkerungszahl hat sich auf gut 220 Personen erhöht und damit die Höchstmarke von 1844 übertroffen.